Wenn wir bei regionalen Betrieben nach dem wichtigsten Marketingkanal gefragt werden, lautet die Antwort oft nicht Website und nicht Werbung, sondern: das Google-Unternehmensprofil, früher als Google My Business bekannt. Dieser Eintrag mit Karte, Öffnungszeiten, Fotos und Bewertungen erscheint bei fast jeder Suche mit örtlichem Bezug ganz oben, noch vor den klassischen Ergebnissen. Er kostet nichts, und trotzdem sieht er bei den meisten Betrieben aus wie eine vergessene Abstellkammer. Eine Stunde konzentrierter Pflege ändert das, und hier steht, wofür Sie diese Stunde verwenden sollten.
Vollständigkeit ist die halbe Miete
Google bevorzugt Profile, die alle Felder nutzen, und Kunden tun es auch. Prüfen Sie der Reihe nach: Stimmen die Öffnungszeiten, auch für Feiertage? Sind alle Leistungen als Kategorien und im Leistungsbereich hinterlegt, nicht nur die Hauptkategorie? Ist die Beschreibung konkret und benennt sie Ort und Einzugsgebiet? Führt der Website-Link auf die richtige Seite? Gerade die Nebenkategorien werden fast immer verschenkt, dabei entscheiden sie mit, bei welchen Suchen das Profil überhaupt erscheint. Ein Dachdecker, der nur "Dachdecker" angibt, taucht bei der Suche nach Dachfenstern womöglich gar nicht auf.
Fotos: echt schlägt schön
Profile mit eigenen, aktuellen Fotos bekommen nachweislich mehr Klicks und Anrufe als solche mit Logo und Symbolbildern. Was funktioniert, sind Aufnahmen, die Erwartungen klären: der Eingang, damit man das Geschäft findet, die Räume, das Team, Beispiele der Arbeit. Laden Sie regelmäßig nach, denn frische Bilder signalisieren Google und Kunden gleichermaßen, dass hier jemand aktiv ist. Ein Smartphone reicht dafür vollkommen, entscheidend ist das Motiv, nicht die Kamera.
Bewertungen: der Teil, der wirklich wiegt
Nichts beeinflusst die Entscheidung zwischen zwei Anbietern stärker als Bewertungen, ihre Anzahl, ihre Frische und der Umgang damit. Das Sammeln darf man aktiv betreiben: Fragen Sie zufriedene Kunden nach Abschluss direkt, am besten mit einem kurzen Link per Nachricht, den Google dafür bereitstellt. Die meisten Menschen bewerten gerne, wenn man es ihnen leicht macht. Genauso wichtig ist das Antworten, und zwar auf alles: Ein Dank für Lob dauert zehn Sekunden, und eine sachliche, lösungsorientierte Antwort auf Kritik liest jeder künftige Kunde mit. Sie schreiben diese Antwort nie nur für den Kritiker, sondern für alle, die danach kommen.
Was Sie mit schlechten Bewertungen tun und was nicht
Eine unfaire Bewertung fühlt sich persönlich an, trotzdem gilt: niemals öffentlich streiten. Antworten Sie ruhig, schildern Sie kurz Ihre Sicht und bieten Sie die Klärung im direkten Kontakt an. Bewertungen, die nachweislich gegen Googles Richtlinien verstoßen, etwa weil sie erfunden sind oder vom Wettbewerber stammen, können Sie zur Prüfung melden, mit realistischen Erwartungen an das Ergebnis. Und lassen Sie die Finger von gekauften Sternen: Die Muster sind erkennbar, die Strafen empfindlich, und aufgeflogene Fälschungen kosten mehr Vertrauen, als je eine echte Kritik könnte.
Die Beitragsfunktion: klein, aber lebendig
Über Beiträge lassen sich Neuigkeiten, Angebote und Termine direkt im Profil veröffentlichen. Die Reichweite ist überschaubar, aber der Effekt aufs Gesamtbild zählt: Ein Profil mit aktuellen Beiträgen wirkt betrieben, eines ohne wirkt verlassen. Ein kurzer Beitrag pro Monat genügt, und meist existiert der Inhalt schon, weil er ohnehin für die Website oder Social Media entstanden ist.
Einordnung: Das Profil ersetzt die Website nicht
Bei aller Begeisterung eine Grenze: Das Unternehmensprofil gehört Ihnen nicht, Google kann Darstellung und Regeln jederzeit ändern und tut das regelmäßig. Es ist das Schaufenster, aber das Haus dahinter bleibt die eigene Website, auf der Sie Inhalte, Daten und Anfragewege selbst kontrollieren. Die stärkste Wirkung entsteht im Zusammenspiel: Das Profil fängt die Suche ab, die Website überzeugt und macht aus dem Interessenten eine Anfrage. Wie beides ineinandergreift, gehört zum Kern unserer Arbeit im Online Marketing.
Unser Fazit
Das Google-Unternehmensprofil ist der seltene Fall eines Kanals, der kostenlos, wirksam und trotzdem vernachlässigt ist. Eine Stunde für Vollständigkeit, echte Fotos und einen Plan fürs Bewertungssammeln bringt vielen Betrieben mehr als so manche bezahlte Maßnahme. Danach heißt es dranbleiben im kleinen Maßstab: monatlich ein Foto oder Beitrag, zeitnahe Antworten auf jede Bewertung. Wer das durchhält, hat im regionalen Wettbewerb einen Vorsprung, der Woche für Woche mitarbeitet.