Websites gehen selten mit einem Knall kaputt. Sie altern leise: Erst wirkt das Design ein wenig aus der Zeit gefallen, dann rutscht die Seite bei Google nach unten, irgendwann bleiben Anfragen aus, und niemand kann sagen, seit wann eigentlich. Weil dieser Verfall schleichend passiert, fällt er den Betreibern selbst am spätesten auf, man sieht die eigene Seite schließlich mit den Augen von damals. Hier sind die sieben Anzeichen, an denen Sie den Zustand Ihrer Website nüchtern prüfen können, ganz ohne Bauchgefühl.
1. Auf dem Handy muss man zoomen
Öffnen Sie Ihre Website auf dem Smartphone. Wenn Sie Texte heranzoomen müssen, Knöpfe kaum zu treffen sind oder Inhalte seitlich aus dem Bild laufen, ist der Fall eindeutig. Deutlich mehr als die Hälfte aller Besuche kommt inzwischen von Mobilgeräten, und Google bewertet Seiten längst zuerst in ihrer mobilen Version. Eine Website, die nur am Schreibtisch funktioniert, existiert für den größeren Teil Ihrer Kundschaft praktisch nicht.
2. Die Seite braucht spürbar lange
Zählen Sie beim Aufruf innerlich mit. Alles über drei Sekunden kostet nachweislich Besucher, und zwar bevor sie auch nur eine Zeile gelesen haben. Häufige Ursachen sind riesige Bilder, verstopfte Systeme und billiges Hosting, vieles davon lässt sich beheben. Wenn aber schon die Technik darunter aus einer anderen Zeit stammt, wird das Flicken teurer als der Neuanfang.
3. Das Aktuellste ist von vorgestern
Eine Rubrik "Aktuelles", deren jüngster Eintrag zwei Jahre alt ist, wirkt schlimmer als gar keine. Besucher fragen sich unweigerlich, ob der Betrieb noch existiert, und Suchmaschinen werten Seiten ohne Lebenszeichen ebenfalls ab. Entweder Sie pflegen eine solche Rubrik wirklich, oder Sie streichen sie ehrlich, beides ist besser als der digitale Staubfänger.
4. Kein Schloss in der Adresszeile
Wenn der Browser Ihre Seite als "nicht sicher" markiert, weil ein Sicherheitszertifikat fehlt, verlieren Sie Vertrauen im Sekundentakt, und das völlig unnötig, denn die Umstellung auf eine verschlüsselte Verbindung ist heute Standard und schnell erledigt. Dass wir diesen Punkt 2022 noch aufschreiben müssen, zeigt, wie viele Seiten im Bestand vergessen wurden.
5. Niemand traut sich mehr an Updates
Ein untrügliches Zeichen aus dem Maschinenraum: Das Content-Management-System ist so alt, dass Aktualisierungen Angst machen, weil danach womöglich nichts mehr funktioniert. Dieser Zustand ist nicht nur unbequem, sondern ein Sicherheitsrisiko, veraltete Systeme sind das häufigste Einfallstor für gehackte Firmenwebsites. Wenn Ihr Dienstleister von Updates abrät, statt sie einzuplanen, läuft etwas grundsätzlich falsch.
6. Die Inhalte beschreiben ein anderes Unternehmen
Teamfotos mit Kollegen, die längst gegangen sind, Leistungen, die Sie nicht mehr anbieten, Preise von vor drei Erhöhungen: Wenn die Website ein Unternehmen zeigt, das es so nicht mehr gibt, entsteht bei jedem Erstkontakt eine kleine Enttäuschung. Kunden vergleichen das Versprochene mit dem Erlebten, und diese Lücke merkt man sich.
7. Das Telefon klingelt, aber nie wegen der Website
Der wichtigste Test ist der einfachste: Fragen Sie neue Kunden, wie sie Sie gefunden haben. Wenn die Website in den Antworten nie vorkommt, erfüllt sie ihre Aufgabe nicht, egal wie sie aussieht. Eine funktionierende Unternehmensseite ist ein Vertriebsmitarbeiter, der rund um die Uhr arbeitet. Einer, der nie einen Kunden bringt, wäre im Betrieb längst ein Thema.
Was tun, wenn mehrere Punkte zutreffen?
Ein einzelnes Anzeichen ist ein Arbeitsauftrag, drei oder mehr sind eine Grundsatzentscheidung. Unsere ehrliche Faustregel: Kosmetik lohnt sich nur, wenn das Fundament stimmt, also Technik, Struktur und Mobiltauglichkeit. Ist das Fundament selbst das Problem, wird jede Einzelreparatur zum Fass ohne Boden, und ein sauber geplanter Neuaufbau ist am Ende günstiger, zumal er die Gelegenheit bietet, Inhalte und Positionierung gleich mitzudenken. Wie ein solcher Website-Neuaufbau abläuft und was er kostet, besprechen wir gerne unverbindlich, auch mit dem Ergebnis, dass Ihre Seite vielleicht nur eine Frischzellenkur braucht.
Unser Fazit
Prüfen Sie Ihre Website einmal im Jahr gegen diese sieben Punkte, am besten mit jemandem, der sie nicht täglich sieht. Der Aufwand beträgt eine halbe Stunde, und er schützt vor dem teuersten Fehler in diesem Feld: zu spät zu handeln, wenn Rankings und Anfragen bereits eingebrochen sind. Websites altern schleichend, aber sie altern messbar, und wer die Signale kennt, entscheidet rechtzeitig statt unter Druck.